21.11.2025

Bereitstellungszinsen bei der Baufinanzierung einfach erklärt

Beim Hauskauf oder Neubau achten viele vor allem auf den Sollzins der Baufinanzierung – also auf die Zinsen für das bereits ausgezahlte Darlehen. Ein wichtiger Kostenfaktor wird dabei oft übersehen: die Bereitstellungszinsen.

Bereitstellungszinsen zahlst du für den noch nicht abgerufenen Teil deines Darlehens, den die Bank für dich „bereit hält“. Besonders beim Neubau oder bei umfangreichen Modernisierungen kann das schnell einige hundert oder sogar tausend Euro kosten – muss es aber nicht, wenn du das Thema von Anfang an mitdenkst.

Was sind Bereitstellungszinsen genau?

Wenn du eine Baufinanzierung abschließt, wird der komplette Darlehensbetrag vertraglich zugesagt. In der Praxis brauchst du das Geld jedoch oft nicht auf einmal, sondern in mehreren Schritten:

  • Beim Kauf einer Bestandsimmobilie: Kaufpreis, ggf. Modernisierungskosten
  • Beim Neubau: Zahlung nach Baufortschritt (z. B. Bodenplatte, Rohbau, Dach, Innenausbau)

Die Bank verpflichtet sich, dir den gesamten vereinbarten Darlehensbetrag zur Verfügung zu stellen – auch wenn du ihn erst nach und nach abrufst. Für diesen „Bereithalte-Service“ verlangt sie nach einer gewissen Frist sogenannte Bereitstellungszinsen auf den noch nicht ausgezahlten Anteil.

Bereitstellungsfreie Zeit: Ab wann fallen Bereitstellungszinsen an?

In den meisten Darlehensverträgen gibt es eine bereitstellungsfreie Zeit. Das ist der Zeitraum, in dem du kein Geld abgerufen hast (oder nur einen Teil), aber noch keine Bereitstellungszinsen zahlen musst.

Typische Konstellationen:

  • 6 Monate bereitstellungsfrei – häufig bei Bestandsimmobilien
  • 6 bis 12 Monate bereitstellungsfrei – oft bei Neubauprojekten
  • teilweise auch längere bereitstellungsfreie Zeiten, oft gegen leicht höheren Sollzins

Nach Ablauf dieser Frist berechnet die Bank Bereitstellungszinsen auf den Teil des Darlehens, der noch nicht ausgezahlt wurde.

Wie hoch sind Bereitstellungszinsen?

Bereitstellungszinsen werden in der Regel als Prozentsatz pro Jahr auf den noch nicht abgerufenen Darlehensbetrag angegeben und dann auf den Monat heruntergebrochen.

Beispielhafte Größenordnung (je nach Bank unterschiedlich):

  • z. B. 3,00 % p. a. Bereitstellungszinsen
  • entspricht 0,25 % pro Monat auf den noch nicht abgerufenen Betrag

Konkretes Beispiel:

  • Darlehenssumme: 400.000 €
  • Bereitstellungszins: 3,00 % p. a.
  • Noch nicht abgerufen: 200.000 €

Rechnung:

  • 3,00 % von 200.000 € = 6.000 € pro Jahr
  • 6.000 € / 12 Monate = 500 € Bereitstellungszinsen pro Monat

Du siehst: Gerade bei größeren Bauvorhaben können Bereitstellungszinsen sehr schnell ins Geld gehen.

Wann spielen Bereitstellungszinsen eine besonders große Rolle?

Bereitstellungszinsen sind vor allem dann wichtig, wenn:

  • du einen Neubau planst und der Bau sich über viele Monate hinzieht,
  • du umfangreich sanierst oder modernisierst und das Geld in Bauabschnitten benötigst,
  • sich der Baubeginn verzögert (Genehmigungen, Handwerker, Lieferprobleme),
  • du den Notartermin früh machst, die Auszahlung aber deutlich später erfolgt.

Je länger sich der tatsächliche Abruf des Darlehens hinauszögert, desto größer das Risiko, dass Bereitstellungszinsen anfallen.

Wie werden Bereitstellungszinsen berechnet?

Die Berechnung folgt einem einfachen Prinzip:

  1. Die Bank schaut, wieviel des Darlehens noch nicht ausgezahlt ist.
  2. Auf diesen Betrag wendet sie den vereinbarten Bereitstellungszinssatz p. a. an.
  3. Der Jahresbetrag wird durch 12 geteilt – das ergibt den Betrag pro Monat.

Formel (vereinfacht):

Bereitstellungszins pro Monat = (nicht abgerufener Betrag × Bereitstellungszins p. a.) / 12

Wichtig: Bereitstellungszinsen kommen zusätzlich zur normalen Darlehensrate für den bereits ausbezahlten Teil hinzu – sie sind also ein zusätzlicher Kostenblock.

Strategien, um Bereitstellungszinsen zu vermeiden oder zu reduzieren

Die gute Nachricht: Du bist dem Thema nicht ausgeliefert. Mit einer guten Planung und Verhandlung kannst du Bereitstellungszinsen oft deutlich reduzieren.

1. Bereitstellungsfreie Zeit clever verhandeln

Gerade bei Neubauprojekten lohnt es sich, die bereitstellungsfreie Zeit aktiv anzusprechen. Viele Banken sind bereit, längere Fristen anzubieten, wenn das Bauvorhaben klar strukturiert ist.

  • Realistische Bauzeit einschätzen (inkl. Puffer für Verzögerungen)
  • bereitstellungsfreie Zeit daran anpassen (z. B. 12 Monate statt nur 6)
  • Eventuell etwas höheren Sollzins in Kauf nehmen – kann sich trotzdem lohnen, wenn du dadurch mehrere Monate Bereitstellungszinsen sparst

2. Auszahlung mit dem Bauträger oder Handwerker abstimmen

Beim Neubau werden Raten meist nach Baufortschritt bezahlt. Wichtig ist, dass Zahlungsplan und Kreditabruf zusammenpassen:

  • Zahlungsplan prüfen: Wann sind welche Raten fällig?
  • Kredit so strukturieren, dass du möglichst früh die ersten Teile abrufst, ohne unnötige Leerzeiten.
  • Mit dem Bauträger sprechen, ob einzelne Raten ggf. etwas verschoben werden können.

3. Eigenkapital sinnvoll einsetzen

Auch dein Eigenkapital spielt eine Rolle. Es gibt zwei Strategien:

  • Eigenkapital zuerst einsetzen: Du zahlst die ersten Rechnungen aus eigener Tasche, rufst das Darlehen später ab – das kann die Zeit bis zum ersten Zins sparen, aber erhöht das Risiko für Bereitstellungszinsen, wenn sich der Bau verzögert.
  • Eigenkapital später einsetzen: Du nutzt früh Darlehensmittel und hältst Eigenkapital als Puffer – dadurch reduzierst du das Risiko von Bereitstellungszinsen, zahlst aber früher Zinsen auf das Darlehen.

Welche Variante besser ist, hängt von deinem Projekt, deiner Liquidität und den konkreten Konditionen ab. Hier lohnt sich eine individuelle Rechnung.

4. Angebote vergleichen – nicht nur den Sollzins anschauen

Beim Vergleich verschiedener Baufinanzierungsangebote schauen viele nur auf den nominalen Zinssatz. Bereitstellungszinsen und bereitstellungsfreie Zeiten gehen aber in die Gesamtkosten mit ein und können den vermeintlich „billigeren“ Kredit am Ende teurer machen.

  • bereitstellungsfreie Zeit in Monaten vergleichen
  • Höhe der Bereitstellungszinsen p. a. vergleichen
  • Bau- oder Kaufzeitplan realistisch dagegenhalten

Ein Angebot mit leicht höherem Sollzins, dafür längerer bereitstellungsfreier Zeit, kann unter dem Strich günstiger sein.

Checkliste: Worauf solltest du beim Thema Bereitstellungszinsen achten?

  • Ist im Angebot eine bereitstellungsfreie Zeit vereinbart? Wie lange?
  • Wie hoch sind die Bereitstellungszinsen p. a.?
  • Passt die bereitstellungsfreie Zeit zu deinem Bau- oder Kaufzeitplan?
  • Was passiert, wenn sich der Baubeginn verzögert?
  • Gibt es Möglichkeiten, die bereitstellungsfreie Zeit zu verlängern oder anzupassen?

Fazit: Bereitstellungszinsen im Blick behalten – und bewusst planen

Bereitstellungszinsen sind kein „geheimer Trick“ der Banken, aber sie werden in der Beratung häufig nur am Rande erwähnt. Für dich als Käufer:in oder Bauherr:in können sie jedoch spürbare Mehrkosten bedeuten – besonders bei längeren Bauzeiten.

Wenn du deine Baufinanzierung planst, solltest du deshalb immer:

  • die bereitstellungsfreie Zeit kennen und verstehen,
  • die Höhe der Bereitstellungszinsen prüfen,
  • deinen realistischen Zeitplan für Kauf oder Bau danebenlegen,
  • und bei Bedarf gezielt mit der Bank nachverhandeln.

So stellst du sicher, dass deine Finanzierung nicht nur auf dem Papier gut aussieht, sondern auch in der Praxis zu deinem Projekt und deinem Alltag passt.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine persönliche Beratung. Er soll dir einen ersten Überblick geben, damit du Angebote gezielter vergleichen und die richtigen Fragen an Banken und Finanzierungspartner stellen kannst.

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