19.11.2025

Wie viel Haus kann ich mir leisten? So rechnest du es in 10 Minuten aus

Ein eigenes Haus ist für viele ein großer Traum – aber auch eine große finanzielle Entscheidung. Bevor du Exposés durchgehst und Besichtigungen planst, solltest du eine Frage klären: Wie viel Haus kann ich mir eigentlich leisten?

Die gute Nachricht: Du brauchst dafür kein Studium in Finanzmathematik. Mit einer einfachen Schritt-für-Schritt-Rechnung bekommst du in wenigen Minuten einen ersten Richtwert.

Schritt 1: Deine monatliche Wunschrate bestimmen

Der wichtigste Hebel bei der Baufinanzierung ist deine monatliche Rate. Sie sollte zu deinem Leben passen – heute und in Zukunft.

Starte mit einer einfachen Haushaltsrechnung:

  • Nettoeinkommen (du / ihr gemeinsam)
  • – Fixkosten (Miete, Versicherungen, Strom, Internet, Auto etc.)
  • – Lebenshaltung (Lebensmittel, Freizeit, Kinder, Urlaub)
  • = freier Betrag pro Monat

Von diesem freien Betrag sollte deine Kreditrate nur einen Teil ausmachen. Viele Berater orientieren sich daran, dass die Rate ca. 30–35 % des Haushaltsnettos nicht dauerhaft übersteigen sollte.

Beispiel:

  • Gemeinsames Nettoeinkommen: 4.000 €
  • 30 % davon = 1.200 € Richtwert für die Kreditrate

Schritt 2: Von der Rate zur Darlehenshöhe – grobe Faustregel

Damit du ein Gefühl bekommst, wie viel Kredit hinter einer Rate steckt, kannst du eine grobe Faustformel nutzen.

Bei „normalen“ Annahmen (z. B. Sollzins um ein paar Prozent und anfängliche Tilgung um 2–3 %) liegt der Faktor zwischen Rate und Darlehenshöhe oft grob im Bereich von 250–300.

Sehr grobe Faustregel:

Darlehen ≈ monatliche Rate × 300

Beispiel mit 1.200 € Rate:

  • 1.200 € × 300 = 360.000 € rechnerische Darlehenshöhe (grob)

Wichtig: Das ist nur eine Orientierung, keine exakte Berechnung. Exakte Werte hängen vom konkreten Zinssatz, der Tilgung und der Laufzeit ab.

Schritt 3: Eigenkapital und Kaufnebenkosten einrechnen

Jetzt kommt dein Eigenkapital ins Spiel. In Deutschland solltest du zusätzlich die Kaufnebenkosten einkalkulieren:

  • Grunderwerbsteuer
  • Notar- und Grundbuchkosten
  • ggf. Maklerprovision

Je nach Bundesland und Situation können die Nebenkosten schnell 8–12 % des Kaufpreises ausmachen.

Beispiel:

  • Darlehen (grob): 360.000 €
  • Eigenkapital: 80.000 €

Dann könnte der maximale Kaufpreis ungefähr so aussehen:

  • Kaufpreis (Immobilie): ca. 400.000–420.000 €
  • Nebenkosten: ca. 40.000 € (je nach Bundesland und Makler)
  • Finanziert über Darlehen: ca. 360.000 €
  • Eigenkapital deckt Nebenkosten + einen Teil des Kaufpreises

Auch hier gilt: Die exakte Struktur hängt stark von Bundesland, Objekt und Bank ab – aber du hast einen .

Schritt 4: Zukunft nicht vergessen – Puffer einbauen

Ein Fehler, den viele machen: Sie planen „auf Kante“. Also maximale Rate, ohne Puffer. Besser ist:

  • Rücklagen einplanen (z. B. 100–200 € monatlich für Reparaturen)
  • Lebensereignisse bedenken (Kinder, Teilzeit, Jobwechsel)
  • Nebenkosten des Wohnens (Heizung, Strom, Grundsteuer etc.) realistisch ansetzen

Wenn sich deine Rate nur dann „gut“ anfühlt, wenn alles perfekt läuft, ist sie zu hoch. Baufinanzierung ist ein Marathon, kein Sprint.

Schritt 5: Rechner und Angebote nutzen

Nachdem du deinen groben Rahmen definiert hast, lohnt sich der Blick in einen Baufinanzierungsrechner. Dort kannst du mit Zinssätzen, Tilgungssätzen und Laufzeiten spielen und siehst direkt:

  • Wie verändert sich die Rate?
  • Wie lange läuft das Darlehen?
  • Wie viel Zinsen zahlst du insgesamt?

Anschließend ist es sinnvoll, mehrere Angebote zu vergleichen – direkt bei Banken oder über Finanzierungsvermittler. Oft gibt es deutliche Unterschiede bei Zinsen, Konditionen und Flexibilität (Sondertilgung, Tilgungssatzwechsel etc.).

Fazit: Rechne erst, such dann

Bevor du dich in Hausanzeigen verliebst, solltest du deine kennen. Mit einer einfachen Haushaltsrechnung, einer groben Darlehensschätzung und einem Blick auf Eigenkapital und Nebenkosten hast du in wenigen Minuten einen soliden Rahmen.

So gehst du viel entspannter in Gespräche mit Banken, Maklern und Verkäufer:innen – und vermeidest es, dich langfristig zu übernehmen.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Beratung. Er soll dir helfen, deine eigene Situation besser einzuschätzen und fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Hier geht es zur Rechner

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